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Die Geschichte der Hochschule

Als am 1. Juli 1902 die "Königliche Fachschule für Kleineisen- und Stahlwarenindustrie Schmalkalden" errichtet wurde, gehörte der Kreis Herrschaft Schmalkalden zu den ärmsten Kreisen der Provinz Hessen-Nassau im preußischen Königreich.

Seit Jahrhunderten lebten die Menschen hier von der Herstellung von Eisenwaren aller Art, wie Ahlen, Feilen, Striegel, Bohrer, Zangen, Löffel, Nägel, Schnallen und anderen, die als "Schmalkalder Artikel" im Reich gut bekannt waren. Die in handwerklichen Kleinbetrieben gefertigten Erzeugnisse trafen aber nun auf eine industrielle Konkurrenz aus Fabriken des rheinisch-westfälischen Raumes und von Übersee, der sie nicht standhalten konnten.

Wenn man eine Besserung der wirtschaftlichen Situation erreichen wollte, musste man dafür sorgen, dass die Produktionsverfahren modernisiert und die Arbeitskräfte besser ausgebildet wurden. Der Schmalkalder Landrat Dr. Hagen unterbreitete daher bereits im Jahre 1893 dem Preußischen Minister für Handel und Gewerbe den Vorschlag, nach dem Muster der in Remscheid bestehenden Fachschule eine gleichartige in Schmalkalden einzurichten.

Von Beginn an begriff sich die Schule nicht nur als Ausbildungsstätte von Facharbeitern. Sie eröffnete vielmehr den Gewerbetreibenden der Region vielfältige Weiterbildungsangebote, und die Lehrkräfte standen für technische, technologische und kaufmännische Beratungen zur Verfügung.

Jeder Lehrer arbeitete einige Wochen im Jahr in einem der führenden deutschen Betriebe, um moderne Maschinen und Anlagen, Einrichtungen und Verfahren kennenzulernen. All das trug dazu bei, eine auf der Höhe der Zeit stehende Ausbildung zu gewährleisten.

 

Erster Direktor Emil Beil

Der erste Direktor war der Ingenieur Emil Beil. Siebenundzwanzig Jahre lang war er in dieser Funktion tätig. Es war nicht zuletzt sein Verdienst, dass sich die Schule rasch einen guten Ruf über die preußischen Landesgrenzen hinaus erwarb.

Auch international erlangte die Fachschule einiges Ansehen. Noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kamen Besucher aus verschiedenen europäischen Ländern, aus den USA und aus China, um sich das hier Geschaffene anzusehen. Insbesondere durch die intensive Beratungstätigkeit für die Schmalkalder Gewerbebetriebe konnte die neue Institution zur wirtschaftlichen Besserung beitragen.

Nach der Konstituierung der Weimarer Republik im Jahre 1918 setzte die Schule ihre Arbeit nunmehr als "Staatliche Fachschule für Kleineisen- und Stahlwarenindustrie" fort. Ihre fachlichen Aufgaben änderten sich nicht. Ab 1920 ergänzten Meisterkurse das Ausbildungsprogramm. Eine neue Entwicklungsetappe begann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Dem sprunghaft anwachsenden Bedarf an ingenieurtechnischem Personal standen nur ungenügende Ausbildungskapazitäten an Ingenieurschulen und Hochschulen gegenüber.

Bereits im Herbst 1945 begann in Schmalkalden die Technikerausbildung. 1948 folgte der Auftrag des damaligen Thüringer Ministeriums für Volksbildung, die Fachschule in eine Ingenieurschule für Maschinenbau umzuwandeln. Im Frühjahr 1951 erhielten die ersten in Schmalkalden ausgebildeten Ingenieure ihre Zeugnisse. Von nun an wuchs auch die Zahl der betreuten Studenten kontinuierlich.

 

Ingenieurschule Schmalkalden

In ca. 45 Jahren bis zum Ende der Ausbildung an dieser "Ingenieurschule Schmalkalden" im Jahre 1995 erlangten über 10.000 junge Menschen ihr Ingenieurdiplom. Die Studierenden kamen aus allen Teilen der damaligen DDR von der Ostsee bis zur Lausitz. Die Qualität ihrer Ausbildung trug wesentlich dazu bei, dass Maschinenbauingenieure aus Schmalkalden überall einen sehr guten Ruf besassen. So konnte man in den fünfziger Jahren in Fachzeitschriften der alten Bundesländer gelegentlich Stellenangebote für Ingenieure lesen, in denen es hiess: Absolventen der Ingenieurschule Schmalkalden bevorzugt.

Mit Gründung der Fachhochschule am 1. Oktober 1991 brach eine neue Etappe in der Geschichte der höheren Bildung für Schmalkalden an. Ein neuer Hochschultyp hielt in die Mauern der Stadt Einzug. Der Minister für Wissenschaft und Kunst beauftragte Prof. Dr. Wolf-Dieter Eckert mit der Leitung der neuen Hochschule in der Gründungsphase.

Zunächst musste der Grundstock einer funktionsfähigen Hochschulverwaltung aufgebaut werden. Dann galt es, die Berufungsverfahren für die ersten Professoren zu begleiten, um das geplante Studienangebot zu sichern. Sein umsichtiges und zielstrebiges Wirken trug entscheidend dazu bei, dass der Start reibungslos gelang.

 

Moderne Hochschule mit technisch-wirtschaftlichem Profil

Maschinenbau blieb eine der Säulen im Ausbildungsprofil der Hochschule. Andere kamen hinzu. Bereits im Gründungsjahr nahm der Fachbereich Elektrotechnik mit einem gleichnamigen Studiengang den Lehrbetrieb auf. Im Jahr darauf folgten die Fachbereiche Informatik und Wirtschaft. Damit waren die ersten Schritte zum Aufbau einer modernen Hochschule mit technisch-wirtschaftlichem Profil getan.

Doch die Gründung neuer Fachbereiche allein sicherte noch nicht die Arbeitsfähigkeit der Hochschule. Insbesondere für die in Schmalkalden neuen Studienangebote galt es, die notwendigen materiellen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die Hochschule hatte ihren Betrieb in den Gebäuden der Ingenieurschule aufgenommen, während gleichzeitig die Ingenieurschule ihr Ausbildungsprogramm zum Abschluss bringen musste. Daher herrschte von Beginn an ein Mangel an entsprechend ausgestatteten Vorlesungs- und Seminarräumen. Labore für die Elektrotechnik und Informatik waren noch gar nicht vorhanden, und es gab kaum Raum zur Unterbringung der neu berufenen Professoren.

Vom ersten Tage an standen daher die bauliche Entwicklung und die gerätetechnische Neuausstattung der Hochschule an der Spitze der Liste vorrangig zu lösender Probleme. Mit dem Ankauf eines nahegelegenen ehemaligen Lehrlingswohnheims wurde die erste Not gelindert. Die Fachbereiche Elektrotechnik und Informatik fanden hier zu Anfang provisorisch, nach erfolgtem Umbau und Sanierung nunmehr dauerhaft Unterkunft.

Es wurde jedoch rasch klar, dass nur ein umfassendes Neubauprogramm dauerhaft den Bestand einer leistungsfähigen, modernen Hochschule in Schmalkalden sichern würde. Mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt Schmalkalden und des Landkreises konnten in den ersten Jahren die notwendigen Bauflächen gesichert werden.

Am Standort der alten preussischen Fachschule wurde ein Areal erworben, das alle Möglichkeiten zum Bau einer geschlossenen Campus-Hochschule bot. Der im Jahre 1994 erfolgreich durchgeführte Architektenwettbewerb erbrachte ein Bebauungskonzept, das in den nächsten sechs Jahren umgesetzt wurde.

 

Neuer Campus

Im Herbst 2000 wurde schließlich der erste geschlossene Campus einer Thüringer Hochschule fertiggestellt und übergeben. Dieser umfasst ein zentrales Hörsaalgebäude mit drei großen Hörsälen und zahlreichen Seminarräumen. In der Bibliothek - einem hellen Glasbau mit separater Leseinsel - stehen den Studierenden 129 000 Medieneinheiten sowie modern ausgestattete Arbeitsplätze zur Verfügung. Seit 2007 trägt sie den Namen Cellarius-Bibliothek, benannt nach dem Schmalkalder Christoph Cellarius - dem Verfasser der Historia universalis.

Die Fakultäten Maschinenbau und Elektrotechnik verfügen über neue, moderne  Laborgebäude; die Fakultät Informatik über ein Institutsgebäude. Auch die Mensa erstrahlt in einem modernen Design. Die Gebäude der Fachhochschule fallen sofort ins Auge: Sie leben vom Spannungsverhältnis, das sich aus historischer Bausubstanz und moderner Architektur ergibt.

Damit sich die Studierenden auch neben dem Studium sportlich betätigen können, wurden direkt auf dem Campus ein Beachvolleyballplatz und ein Basketballplatz gebaut.

 

Ausbau des Studiums

Mit der Gründung der Fakultät Wirtschaftsrecht und des gleichnamigen Studienganges im Jahre 1996 erweiterte die FH Schmalkalden auch ihr fachliches Spektrum.

Im Zuge der Bolognareform stellte sie als erste Thüringer Hochschule alle bisherigen Diplomstudiengänge auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master um.

Mit der Gründung des Zentrums für Weiterbilung im Jahre 2004 betrat die Hochschule Neuland: Aber nicht nur in Thüringen hat die Fachhochschule Schmalkalden inzwischen eine Vorreiterstellung eingenommen, auch über die regionalen Landesgrenzen hinaus hat sie sich zu einer festen Größe im Weiterbildungssektor etabliert. Aktuell werden am Zentrum für Weiterbildung sieben Masterstudiengänge und 24 Zertifikatsstudien für Berufstätige in den Fachrichtungen Technik, Wirtschaft und Recht angeboten.

 

Aus Fachhochschule wird Hochschule Schmalkalden

Seit dem 1. Oktober 2015 hat die Fachhochschule einen neuen Namen: Fortan heißt sie Hochschule Schmalkalden. Hintergrund für die Namensänderung ist der Wandel innerhalb der Hochschullandschaft Deutschlands. So verwenden nur noch wenige der bisherigen Fachhochschulen ihren alten Namen. Um sich gegenüber ihren Wettbewerbern zu behaupten, hat sich auch die Hochschule Schmalkalden für diesen Weg entschieden.   

 

Die Rektoren der Hochschule Schmalkalden 

1993 - 1999  Prof. Dr. Jens Goebel

1999 - 2004  Prof. Dr. Jürgen Müller

2004 - 2008  Prof. Dr. Heinz-Peter Höller

seit 2008  Prof. Dr. Elmar Heinemann