Zum Inhalt springenZur Hauptnavigation springenZur Suche springen

Sternschnuppen – Glücksbringer aus dem All?!

27.07.2018

Olaf Kretzer, Professor für Physik und Navigation, berichtet über die anstehenden Sternschnuppennächte vom 10. – 12. August 2018. Bis zu 100 Sternschnuppen in einer Stunde werden wir beobachten können von einem der ältesten dokumentierten Sternschnuppenströme! Spannende Details und was sich tatsächlich hinter diesen Himmelskörpern verbirgt erfahren Sie hier.

Sternschnuppen – Glücksbringer aus dem All?!

Alle kennen das – wenn man eine Sternschnuppe sieht kann man sich etwas wünschen! Erstaunlicherweise findet man diese Geschichte in vielen Kulturen, nicht nur der europäischen. Aber es gibt auch Kulturen in denen Sternschnuppen ein böses Zeichen sind. Was sich genau dahinter verbirgt – außer dem schönen Anblick – darüber kann spekuliert werden. Was verbirgt sich aber tatsächlich hinter diesen, in der Astronomie als Meteore bezeichneten, Himmelskörpern?

Auf ihrer Bahn um die Sonne durchfliegt die Erde keineswegs einen perfekt leeren Raum. Verschiedenste Staub- und Gasteilchen auch kleine Steine etc. dringen dabei auf Grund der hohen Geschwindigkeit der Erde von ca. 30 km/s in die Atmosphäre ein. Die Geschwindigkeiten dieser Körper können dabei bis zu 272.000 km/h erreichen! Dies führt natürlich zu Reibungseffekten in der oberen Atmosphäre (beginnend bei ca. 100 km über der Erdoberfläche) die zur Abbremsung der Teilchen aber auch zum Aufheizen dieser Körper führen. Weitere Effekte in der Atmosphäre lassen hinter den Objekten eine Plasmaspur in der Atmosphäre entstehen und die dort auftretende Rekombination führt zum charakteristischen Leuchten. Üblicherweise liegen die Größen dieser Staubkörnchen im Bereich von ca. 1 mm - 10 mm. Sie verglühen vollständig und nur die „Asche“ rieselt herab. Sind die Objekte größer als 10 mm entwickeln Sie eine größere Helligkeit – wenn sie heller werden als die Venus (Volksmund: Abend- oder Morgenstern, das hellste Objekt nach Sonne und Mond am Himmel) bezeichnet man sie dann auch als Feuerkugeln und Boliden. Im Schnitt kann man bei klaren, mondlosen Nächten stets ca. 5- 7 Sternschnuppen pro Stunde erkennen – dunkle Umgebung vorausgesetzt.

Zu bestimmten Zeiten des Jahres wie jetzt, Mitte August, kann man gehäuft Sternschnuppen beobachten – warum?

Der Entstehungsort der kleinen Himmelskörper (auch Meteorite genannt) sind zumeist Kometen. Manche dieser Himmelskörper die sich zumeist am Rande des Sonnensystems befinden (dort herrschen ca. -230°C), bewegen sich auf hoch elliptischen Bahnen in das innere Sonnensystem und werden dabei erhitzt und verlieren eingefrorenen Staub und Gas. Die Kometen entfernen sich wieder in den Bereich ihrer Herkunft – aber die nun frei gewordenen Teilchen fliegen im inneren Sonnensystem als Staubwolke umher und werden dann teilweise regelmäßig von der Erde durchflogen – wie jetzt Mitte August. Diese Sternschnuppenströme erhalten ihre Bezeichnung nun aber nicht nach ihrem Ursprungskometen – für die aktuellen Sternschnuppen ist es der Komet 109P/Swift-Tuttle- sondern nach dem Sternbild aus welchem sie zu kommen scheinen! Dies ist nur ein Effekt welcher sich aus der Bewegung der Erde ergibt, ansonsten hat das Sternbild absolut nichts mit Sternschnuppen zu tun. Im August befindet sich hinter dem Sternschuppenstrom das Sternbild Perseus – also nennt man den Sternschnuppenstrom Perseiden. Er ist der älteste dokumentierte Sternschnuppenstrom – die ersten Sichtungen stammen aus dem Jahre 36 v.C.!! Wir erwarten in diesem Jahr (kein Mond am Himmel!) ca. 100/Stunde.
Also am besten man bereitet eine große Wunschliste vor welche man dann „abarbeiten“ kann. Wenn die Objekte größer werden und ihre Größe den Meterbereich kommen kann auch einmal ein Objekt bis zur Erde kommen und dann als Meteorit einschlagen – ein sehr seltenes Phänomen! Die beste Beobachtungszeit für Sternschnuppen ist ab Mitternacht und als Ort sind dunkle Regionen ohne Beleuchtungsverschmutzung zu empfehlen!

 

Prof. Dr. Olaf Kretzer

Letzte Änderung: 08.08.2018