Zum Inhalt springenZur Hauptnavigation springenZur Suche springen

Insolvenzverwalter und Verwerter sind sehr stark vernetzt

André Beck und Dr. Jörg Schädlich referieren über die Verwertung im Insolvenzverfahren

Berufsperspektiven für Absolventen der Hochschule, die gerne im Bereich Insolvenz tätig sein möchten, sowie einen lebhaften Einblick in die Praxis zeigten André Beck, Absolvent der Hochschule Schmalkalden, und Rechtsanwalt Dr. Jörg Schädlich auf. Die Referenten sprachen über „Die Bewertung und Verwertung des Anlage- und Umlaufvermögens im Insolvenz(antrags-)verfahren unter Berücksichtigung von Aus- und Absonderungsrechten – Ein Praxisbericht über die Zusammenarbeit von Insolvenzverwalter und Verwertungsunternehmen“.

André Beck, der an der Hochschule Schmalkalden Wirtschaftsrecht mit dem Schwerpunkt Insolvenz studiert hat, ist nun Niederlassungsleiter bei der Hämmerle GmbH & Co. KG. Das Unternehmen führt die Bewertung und Verwertung aus, was für das weitere Verfahren unabdingbar ist. Wie detailliert ein Gutachten ausfallen muss, wurde den Studierenden an einer Beispielakte veranschaulicht. Jeder noch so kleine Gegenstand, dessen Wert, und ob beziehungsweise wie dieser verwertet werden kann, ist dort tabellarisch aufgeführt. Besonders spannend waren Becks Praxisbeispiele, wie die Versteigerung der Fahrzeuge, Werkzeuge und des Materials eines riesigen Bauunternehmens, die sich im Millionenbereich ansiedelte. 1500 Bieter sind vor zwei Jahren zu dieser Auktion erschienen. Dass es im Beruf auch sehr stressige Momente gebe, erläuterte er anhand seiner Arbeitserfahrung mit dem Automobilzulieferer Reum, der einen Standort in Trusetal betreibt und 2010 insolvent war. Das Unternehmen verwende Granulat, um Spritzgussteile zu fertigen. „Da kommt es schon mal vor, dass die Lieferanten des Granulats ihre Lkw-Fahrer anweisen, rechts ran zu fahren, bis wieder gezahlt werden kann.“ Für die Produktion sei das fatal. Denn steht in Trusetal das Werk still, werden in 24 bis 48 Stunden auch die großen Automobilbauer die Fließbänder stoppen müssen. Ihnen fehlen dann die Bauteile, die just-in-time benötigt werden. So sei letztendlich für die Verwerter Eile geboten.

Dr. Jörg Schädlich, tätig bei der Rechtsanwälte-Partnerschaft Stapper | Jacobi | Schädlich, gab einen Ausblick auf die Vernetzung zwischen der Be- und Verwertung und dem Insolvenzverwalter. Mit André Beck arbeite er oft zusammen. Die Aufgabe der Verwerter sei sehr wichtig, denn heute stehe die Sanierung von Unternehmen zunehmend im Vordergrund. So komme es laut Schädlich dazu, dass die Insolvenzverfahren um rund 40 Prozent zurückgegangen seien. Allerdings kann es auch vorkommen, dass die Zerschlagung eines Unternehmens aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller ist. Ein Beispiel hierfür sei derzeit das Bauhandwerk. Es herrsche ein Bauboom, der dafür sorge, dass bei Bauunternehmen eine große Nachfrage nach Gerüsten bestehe. Sei ein Gerüstbauer zahlungsunfähig, wäre es im ersten Gedanken sinnvoll, die Gerüste für die Fortführung des Unternehmens zu behalten. Allerdings sei in dieser Branche die Zerschlagung des Öfteren hilfreicher als die Fortführung, denn sie ermöglicht eine zeitnahe Vollbefriedigung der Gläubiger. Somit müsste immer nachhaltig abgewogen werden, was für das Unternehmen am besten sei.

Dr. Jörg Schädlich und André Beck
Dr. Jörg Schädlich und André Beck