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Energierechtsabend am 15.1.2019

Professor Wojciech Lisiewicz begrüßte zahlreiche Zuhörer – von Studierenden bis hin zu Fachpublikum – zum ersten Energierechtsabend an der Hochschule Schmalkalden. Mit spannenden Vorträgen wurde dieser Abend von Gerrit Baumann und Stefan Jung, beide Geschäftsführer von Cenero, sowie Rechtsanwältin Dr. Susann Funke bereichert. 

Der relativ frische Kontakt zum Leipziger Unternehmen wurde durch den Energierechtsabend bereits intensiviert. Stefan Jungerklärte, dass Cenero ursprünglich aus der Immobilienwirtschaft stamme und kein klassischer Versorger sei, wie beispielsweise Stadtwerke. Obwohl Cenero selbst nur aus zehn Mitarbeitern bestünde, stehe hinter ihnen ein großes Netzwerk. Zudem ist das Unternehmen Teil der MIB Unternehmensgruppe. 

Zu den Hauptaufgaben zählen die Quartiersentwicklung sowie ganzheitliche Energiekonzepte mit Mehrwertdienstleistungen. So wird unter anderem geprüft, inwiefern vorhandene Infrastruktur weiter genutzt werden kann. Cenero steht dabei vor der Rollenwahl des Versorgers, Betreibers und Dienstleisters. Während der Versorger beispielsweise Strom, Wasser oder Wärme zur Verfügung stellt, zählt das Contracting unter anderem zur Rolle des Betreibers. Als Dienstleister übernimmt Cenero beispielsweise den Messstellenbetrieb. Letztendlich sorgt Cenero für die Umsetzung der Versorgungs- und Lieferkonzepte, wobei dem Unternehmen nur ein kleiner Spielraum bleibt. Nur ein Viertel des Strompreises sei beeinflussbar, so Jung. Der Rest sei durch Abgaben und Netzentgelte festgelegt. 

Gerrit Baumann, der auch Finanzvorstand von MIB ist, ging auf die Herausforderungen und entsprechende Lösungsansätze ein, die der Vermieter als Energielieferant hat. Als beispielhafte Projekte nannte er die Revitalisierung des AEG-Areals in Nürnberg sowie von Hewlett-Packard in Stuttgart. Ein solches ehemaliges Industrieareal hätte zu aktiven Zeiten einen Stromverbrauch von 20 Gigawatt im Jahr. Es habe zwei Jahre gedauert, die Umstrukturierung unter Kontrolle zu kriegen, so Baumann. Denn die neuen Mieter forderten eine ästhetische und zugleich effiziente Fläche. Dafür müssten der Energieverbrauch und die Bewirtschaftungskosten reduziert werden. Die Herausforderung liege hierbei in der Synchronisation von Verbrauch und Erzeugung, wobei auch Datenschutz, Mietrecht sowie die energierechtliche Regulierung eine wichtige Rolle spielten. Da Cenero vom Gesetzgeber als Energieversorger behandelt werde, müsse das Unternehmen als Vermieter sowie Energieversorger einen Weg durch den Steuerdschungel finden. Dabei läge die Herausforderung vor allem dabei, schädliche Tätigkeiten zu vermeiden, Compliance zu erfüllen, im Umgang mit „Webfehlern“ in Einzelgesetzen sowie der fehlenden Neutralität.

Dr. Susann Funke von Funke Advisory ging im Speziellen auf Arealnetze ein. Für Quartiere gebe es eine räumliche, energetische und netzseitige Beschreibung, erklärte die Referentin. Zur räumlichen Beschreibung zählten Kundenanlagen, geschlossene Verteilnetze sowie das Öffentliche Netz. Am besten sei es laut Funke, sich im regulierungsfreien Raum zu bewegen, um keine Entgelte genehmigen lassen zu müssen. Dazu sei eine Kundenanlage sehr gut geeignet, die in § 3 Nr. 24 EnWG mit folgenden Merkmalen definiert ist: Sie muss räumlich zusammenhängend, mit einem Energieversorgungsnetz verbunden, unbedeutend für die Sicherstellung eines wirksamen und unverfälschten Wettbewerbs sowie diskriminierungsfrei und unentgeltlich sein. Neben der Regulierungsfreiheit fielen für die Kundenanlage keine Netzentgelte an und es sei kein Unbundling notwendig, was im Gegensatz dazu bei Öffentlichen Netzen der Fall sei. In ihrem Fazit stellte sie die Netzsituation als komplex dar, in der der Raum für Kundenanlagen immer enger würde, da die Bundesnetzagentur häufig zugunsten öffentlicher Netze entscheide. 

Im Anschluss an die Fachvorträge gab es eine rege Diskussion unter den Teilnehmern, bei der viele offene Fragen beantwortet wurden. Der Energierechtsabend klang danach mit gemütlichem Beisammensein aus.