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Auf den Spuren von Deutschlands erster demokratischen Verfassung

Dekan Professor Müller-Grune lud zur Exkursion anlässlich „100 Jahre Weimarer Verfassung“

100 Jahre ist es nun her, dass Deutschlands erste demokratische Verfassung in Kraft getreten ist. Noch heute finden sich Artikel der Weimarer Reichsverfassung im Grundgesetz, auf die Art. 140 GG verweist. Hervorzuheben ist beispielsweise Art. 139 WRV, der Sonn- und Feiertage als Tage der Arbeitsruhe gesetzlich schützt. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf das Wirtschaftsrecht – so sind verkaufsoffene Sonntage nur unter strengen Voraussetzungen zulässig, was auch Thüringer Kommunen immer wieder schmerzhaft durch die Gerichte erfahren müssen. Aber auch Art. 137 VI WRV ist erwähnenswert, da dieser Religionsgesellschaften dazu berechtigt, „Kirchensteuer“ zu erheben.

Dekan Professor Dr. Sven Müller-Grune begab sich mit 27 Studierenden aus Anlass dieses Jubiläums auf Entdeckungstour in die Kulturstadt Weimar. Einleitend wies er die Studierenden darauf hin, dass sogar eine gewisse historische „Beziehung“ zwischen Schmalkalden und Weimar besteht. Weimar hätte wohl niemals Bedeutung als Residenzstadt erlangt, wenn der sächsische Herzog Johann Friedrich nicht nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg erhebliche Kriegsverluste erlitten hätte und so zu einer Neuordnung seiner Gebiete gezwungen gewesen wäre. Kurz: ohne Schmalkalden kein Bach, kein Goethe, kein Schiller, kein Liszt und eben auch keine Nationalversammlung in Weimar. 

Erste Station war die Dauerausstellung „Demokratie aus Weimar. Die Nationalversammlung 1919“ des Weimarer Stadtmuseums. Dort wird die Geschichte der Stadt von der Weimarer Republik bis zur Wende anschaulich dargestellt. Die Teilnehmer erhielten eine professionelle Führung durch diese Dauerausstellung und lernten dabei, weshalb gerade Weimar als Standort für die Nationalversammlung ausgewählt worden ist und wie dieses Ereignis abgelaufen ist. Dass die Abgeordneten – darunter erstmals 37 Frauen – im Weimarer Nationaltheater statt im Berliner Reichstagsgebäude tagten, lag am drohenden Zerfall Deutschlands. Denn nach Kriegsende herrschten große Spannungen zwischen Süd- und Westdeutschland und Preußen. Während Berlin und Frankfurt historisch bedingt negative Assoziationen weckten, stand Weimar für einen Neuanfang. Reichspräsident Friedrich Ebert erklärte zur ungewöhnlichen Ortswahl: „Die Verlegung der Nationalversammlung nach dem Herzen Deutschlands wird den Einheitsgedanken, die Zusammengehörigkeit des Reiches mächtig stärken.“ Die Stadt Goethes und Schillers war zudem ein gutes Symbol für die junge deutsche Republik, was auch Auswahlkriterium war. 

Im Anschluss führte Professor Müller-Grune, der gebürtig aus Weimar stammt, zu den Schlüsselstellen der Stadt. Die ehemaligen Wohnhäuser der bekannten Dichter standen selbstverständlich auch auf dem Plan der Stadtführung. Zur Stärkung gab es einen Zwischenstopp mit Kaffee und Kuchen in der Weimarer Milchbar, bevor die 27 Studierenden aus dem zweiten und sechsten Semester sowie des Masters auf eigene Faust die Stadt oder das jüngst eröffnete Bauhausmuseum erkunden konnten. Weimar feiert nämlich ein Doppeljubiläum, denn auch das Bauhaus kann auf 100 Jahre zurückblicken.