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Wie Digitalisierung die Steuerberaterbranche verändert

Karl-Josef Federlein von der Datev eG gibt einen Ausblick auf Neuerungen und Berufschancen

Dass die Digitalisierung im Bereich der Steuerberatung schon lange Einzug gehalten hat, sieht man nicht nur daran, dass die Fakultät Wirtschaftsrecht verschiedene Module in diesem Bereich anbietet. Im kommenden Sommersemester wird beispielsweise als Wahlfach eine Fallstudie (Müller & Thurgau GmbH) angeboten, bei der die Studierenden aktiv einen Mandaten von der Erfassung der Buchführung über die Jahresabschlusserstellung bis zur Erstellung der Körperschafteuer- und Gewerbesteuererklärung betreuen – und dies alles „digital“über IT-Technologie! 

Wie umfassend digitale Werkzeuge im Steuerrecht bereits genutzt werden, zeigte Karl-Josef Federlein von der Thüringer Datev-Niederlassung in Erfurt auf. Aus seiner Sicht hänge die digitale Nutzung nicht vom Lebensalter ab, sondern von den gebotenen Möglichkeiten. In vielen Bereichen werde Papier heutzutage bereits ersetzt. 73 Prozent der Deutschen nutzten Online-Banking – und bis zum Jahr 2030 sollen eine halbe Billion Geräte mit dem Internet vernetzt sein. Nicht nur deswegen sähen 97 Prozent der deutschen Unternehmen einen Bedarf an digitaler Weiterbildung. Zu den wichtigsten Trends zählen die Digitalisierung in Geschäftsprozessen, New Work – also der flexiblen, ortsunabhängigen Arbeit – und E-Government. Im letzten Bereich sieht Federlein ein noch Verbesserungsbedarf, da viele Prozesse bei weitem noch nicht ausgereift seien – wie etwa der digitale Personalausweis. 

Die Bundessteuerberaterkammer hat mit dem „Projekt Steuerberatung 2020“ bereits vor vielen Jahren Empfehlungen für eine zukunftsfähige Kanzlei herausgegeben. Dazu zählt auch die Digitalisierung der Prozesse. Im Datev-Rechenzentrum in Nürnberg gehen bereits heute über 470.000 Einkommensteuererklärungen sowie 12,5 Millionen Lohnabrechnungen pro Monat ein. Trotz der riesigen Anzahl an sensiblen Daten habe es im über 50-jährigen Bestehen von Datev noch nie einen unberechtigten Zugriff gegeben, erklärte Federlein. 

Aktuell können bereits per App oder Scan Rechnungen, Belege und vieles mehr in die Datev-Cloud hochgeladen werden. Hierbei ist es von Vorteil, dass sowohl der Steuerberater als auch der Mandant Zugriff auf die Daten des Unternehmens haben. Nach dem Grundsatz „Keine Rechnung ohne Beleg“ werden alle Dokumente online aufbewahrt und sind jederzeit schnell und effektiv aufrufbar. Denn wenn eine Rechnung elektronisch zugestellt wird, muss sie elektronisch verarbeitet werden. 90 bis 95 Prozent der Daten werden heutzutage vom System erkannt. 

Karl-Josef Federlein ging zudem auf fünf Bereiche ein, in denen die Digitalisierung wesentlich geworden ist. Dazu zählt das „Ersetzende Scannen“ von Dokumenten. Ein Papierdokument kann nach Handels- und Steuerrecht vernichtet werden, wenn eine digitale Kopie in einem revisionssicheren Archiv aufbewahrt ist und eine Verfahrensdokumentation vorliegt. Revisionssicher bedeutet, dass nichts aus dem Archiv gelöscht werden kann. Bei Datev ist das ersetzende Scannen möglich. Eine Ausnahme hiervon bilden lediglich Dokumente, die handschriftlich signiert wurden. Sie haben als digitale Kopie keine Beweiskraft mehr. Rechnungen können in den Formaten ZUGFeRG (Zentraler User Guide Forum elektronische Rechnung Deutschland) oder X-Rechnung (in der öffentlichen Verwaltung) erstellt werden, die der Software ein reibungsloseres Auslesen ermöglichen. Auch die GoBD, die E-Bilanz nach § 5b EstG und E-Steuern waren weitere Themen. 

Für die Zukunft stellte Federlein dar, dass auch die Steuerberaterbranche – und damit die Tätigkeiten im Steuerbüro – durch digitale Prozesse ersetzt werden könnten. Er spielte hierzu einen Beitrag von Trendforscher Sven Gábor Jánszky ab, der hervorhob, dass auch zukünftig Steuerberater gebraucht würden, die ihre Mandanten ganzheitlich betreuen. Die Erlöse aus dem Kerngeschäft der Steuerberater würde in Zukunft stagnieren oder rückläufig werden, aber die Erlöse aus digitaler Prozessintegration würden ansteigen. IT-Prozesse und neue digitale Serviceleistungen, insbesondere im rechnungswesennahen Umfeld, werden an Bedeutung gewinnen.