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Erst die Masterarbeit, dann die Olympischen Spiele

07.11.2018

Jana Bitsch gehört zu den besten Karateka der Welt. Die Olympischen Spiele 2020 sind ihr großes Ziel. Davor stehen nicht nur viele schweißtreibende Trainingseinheiten und harte Qualifikationen, sondern auch der Masterabschluss an der Hochschule Schmalkalden. Aktuell kämpft sie bei der WM in Madrid um Edelmetall.

Karateka Jana Bitsch (27) kämpft hart für ihren Erfolg - sowohl im Leistungssport als auch in ihrem weiterbildenden Masterstudium "Sportmanagement (MBA)"; Bildquelle: Deutscher Karate Verband e.V.

Jana Bitsch war gerade einmal zweieinhalb, als sie zum ersten Mal auf der Matte stand. „Ich durfte alles ausprobieren, aber mein Weg war wahrscheinlich schon ein wenig vorbestimmt“, sagt die 27-Jährige heute. Sie ist in einer Karate-Familie aufgewachsen, ihr Vater Trainer der Jugendnationalmannschaft, ihre Geschwister erfolgreiche Wettkämpfer. „Ich habe meinem älteren Bruder nachgeeifert“, verrät sie über ihre Motivation in jungen Jahren. Mit elf Jahren schaffte sie es in den Perspektivkader der Nationalmannschaft, mit 16 nahm sie erstmals an einer EM teil. Heute ist sie eine der besten Karateka der Welt, aktuell Nummer 7 der Weltrangliste in der Gewichtsklasse 55 Kilo.

Für Jana Bitsch, die in der Disziplin Kumite den dritten schwarzen Gürtel hat, ist Karate „ein schöner, reiner Sport, eine Kampfkunst.“. Obwohl es in den Wettkämpfen freilich um Sieg oder Niederlage geht, obwohl es ein Einzelsport ist, zählt sie ihre Trainingspartner und Konkurrenten zu ihrer Familie. „Wenn wir den weißen Kittel anziehen, sind wir alle gleich. Wir puschen uns im Training und sind Vorbild für die Jüngeren“, sagt Jana Bitsch. Das Bild, das Karatekas Ziegelsteine durchschlagen, möchte sie indes endgültig aus den Köpfen bannen. „Ich bin jetzt seit 25 Jahren dabei und habe das noch nie gemacht“, sagt sie und lacht.

Neben dem Training, das sie größtenteils in Köln absolviert, feilt Jana Bitsch bereits an ihrer Karriere nach dem Sport. Dem Bachelorstudium in Sport-, Event- und Medienmanagement in der nordrhein-westfälischen Domstadt folgte der weiterbildende Master in Sportmanagement an der Hochschule Schmalkalden. „Ich bin mit allen Prüfungen durch und habe sie bestanden. Jetzt fehlt nur noch die Masterarbeit“, sagt die junge Frau, die Waltershausen groß geworden ist. Obwohl sie in der Saison in der ganzen Welt unterwegs ist, konnte sie die Seminare in der Regelstudienzeit von fünf Semestern hinter sich bringen. „Weil ich mir alles frei einteilen kann, passt das perfekt zum Sport“, sagt sie über die Vorteile des Fernstudiums, an dem sie als Leistungssportlerin teilnehmen darf.

Am Vormittag und am Abend Training, dazwischen werden Bücher über das Management im Sportbusiness ausgepackt: Jana Bitsch musste und muss sich ihre Zeit ganz genau einteilen. „Der Sport gibt mir einen festen Rahmen vor. Ich weiß, dass ich nur ein paar Stunden am Tag frei habe, um zu lernen. Und ich weiß, dass ich den Stoff bis zur Prüfung drauf haben muss“, sagt sie. Auf den Punkt fit zu sein, das kennt Jana Bitsch aus ihrem Sport.

Gerade ist wieder so ein Tag. Aktuell findet in Madrid die Karate-Weltmeisterschaft statt, und auch Jana Bitsch kämpft um Edelmetall. „Ich will unbedingt aufs Treppchen“, sagt sie. Ihre Chancen, um Bronze, Silber und Gold mitzukämpfen, stünden nicht schlecht. „Aber man braucht auch das gewisse Quäntchen Glück. Man muss den Tag X erwischen.“

Bei der WM 2014, bei der sie den dritten Platz errungen hat, hat sich der Trainingsfleiß schon einmal ausgezahlt. „Das war mein bisher größter Erfolg“, sagt die 27-Jährige. Sich darauf auszuruhen, kommt für sie nicht in Frage. Schließlich soll dem diesjährigen Saisonhöhepunkt die Olympia-Qualifikation folgen. Nur eine Sportlerin pro Nation, nur zehn Sportler pro Gewichtsklasse werden dabei sein können, wenn Karate bei den Olympischen Spielen 2020 im japanischen Tokio erstmals olympisch sein wird. „Das ist mein großes Ziel, und ich werde alles dafür tun. Und wenn ich es dort hin schaffe, werde ich alles versuchen, eine Medaille zu erreichen“, sagt die ehrgeizige Thüringerin.

Jana Bitsch genießt es, trotz Weltklasse-Niveau nicht so bekannt zu sein wie Fußball- oder Tennisspieler. „Aber für den Karatesport ist es schade, dass er nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt wie andere Sportarten“, findet sie. Um mehr Zuschauer, ein höheres Medieninteresse und zahlkräftige Sponsoren anzulocken, müsste der Kampfsport sanft reformiert werden. „Auf unseren Kitteln dürfen nur wenige Flächen für Sponsoren genutzt werden. Das müsste gelockert werden“, findet die Studentin. Zudem spricht sie sich für eine Änderung des Regelwerks aus. „Wenn beim Fußball ein Tor gefallen ist, weiß jeder, welche Mannschaft führt. Wenn beim Boxen jemand KO geht, weiß jeder, wer den Kampf gewonnen hat“, vergleicht sie. Im Gegensatz dazu sei für das gemeine Publikum nicht immer nachvollziehbar, warum ein Karateka einen Punkt bekommt oder eine Verwarnung.

Nach der WM will Jana Bitsch ihre Masterarbeit schreiben. Später strebt sie ein Praktikum in einem Unternehmen an, um praktische Erfahrungen im Sportmanagement zu sammeln. Die Deutsche Sporthilfe fördert diese Zwillingskarrieren. Nach dem Ende der sportlichen Laufbahn soll damit der Einstieg in den Beruf leichter fallen.

Bei Jana Bitsch wird das voraussichtlich 2020 sein. Dem Karate wird sie dann wohl als Breitensportlerin treu bleiben, aber nicht, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Ich glaube, ich möchte lieber erst einmal einen Job in einer anderen Sportart. Oder auch im Bereich des Behindertensports. Das finde ich sehr interessant“, blickt sie voraus.

Letzte Änderung: 07.11.2018