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Wie funktioniert Recht in einer digitalen Welt?

Professor Karsten Löw erforscht an der Hochschule Schmalkalden die rechtlichen Herausforderungen der Digitalisierung

Prof. Karsten Löw

Prof. Karsten Löw

Künstliche Intelligenz, digitale Plattformen und die stetig wachsende Bedeutung von Daten verändern nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft, sondern stellen auch das Recht vor neue Herausforderungen. Wie lässt sich eine Rechtsordnung auf eine digitale Welt anwenden, deren technische Entwicklung sich permanent verändert? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Professor Karsten Löw an der Hochschule Schmalkalden. Seit dem vergangenen Jahr hat er dort den Lehrstuhl „Wirtschaftsrecht, insbesondere das Recht der Digitalisierung sowie Handels- und Gesellschaftsrecht“ inne.

Die Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten, bringt aber zugleich neue rechtliche Konfliktfelder hervor. Daten können gestohlen oder weitergegeben werden, digitale Geschäftsmodelle werfen neue Fragen auf und der Einsatz Künstlicher Intelligenz stellt traditionelle Vorstellungen von Verantwortung und Haftung infrage. „Das Recht muss auf diese Entwicklungen reagieren, ohne seine grundlegenden Funktionen aufzugeben“, beschreibt sich daraus ergebende Herausforderung des Forschungsfeldes.

Wem gehören eigentlich Daten?

Besonders anschaulich wird die Problematik am Beispiel der Daten. Im Zivilrecht sind sie ein ungewöhnlicher Gegenstand: Anders als klassische Güter können Daten von mehreren Personen gleichzeitig genutzt, kopiert und weitergegeben werden. Sie haben zudem keinen festen Ort und lassen sich rechtlich nicht ohne Weiteres einem Eigentümer zuordnen. Ein allgemeines Eigentumsrecht an Daten existiert bislang nicht.

Trotzdem spielen Daten bereits heute eine wichtige Rolle im Zivilrecht. Sie können beispielsweise Gegenstand von Verträgen sein, etwa wenn Trainingsdaten über Cloud-Dienste erworben werden. Auch bei mangelhaften Apps oder digitalen Dienstleistungen stellen sich Fragen nach Haftung und Vertragsauflösung. Der europäische Data Act geht noch einen Schritt weiter: Nutzerinnen und Nutzer erhalten unter anderem Möglichkeiten, auf die von Produkten wie Fahrzeugen erzeugten Daten zuzugreifen, sie selbst zu verwenden und mit Dritten zu teilen.

Das Beispiel zeigt, wie stark digitale Sachverhalte bereits in klassische Rechtsgebiete hineinwirken. Zugleich wird deutlich, dass die rechtliche Stellung von Daten noch längst nicht abschließend geklärt ist. Löw beschäftigt sich deshalb auch mit der Frage, wie der bislang fragmentierte Umgang mit Daten kohärenter gestaltet werden könnte. Auf politischer Ebene gibt es hierzu Überlegungen für ein umfassenderes „Daten-Gesetzbuch“.

Open Source und die Kontrolle von KI

Das Forschungsfeld reicht dabei weit über das Datenrecht hinaus. Ein weiterer Schwerpunkt ist der rechtliche Umgang mit Open-Source-Künstlicher Intelligenz. Gesetzliche Ausnahmen sollen offene und transparente KI-Modelle fördern. Nach Löws Einschätzung greift eine Regulierung jedoch zu kurz, wenn sie Open Source vor allem über die fehlende kommerzielle Nutzung definiert. Entscheidend seien vielmehr tatsächliche Zugänglichkeit, Überprüfbarkeit und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung.

Auch die politische Steuerung und Kontrolle hochriskanter KI-Systeme wirft grundlegende Rechtsfragen auf. Wenn leistungsfähige Systeme außerhalb des europäischen Marktes entwickelt und eingesetzt werden, können bestehende europäische Regelungen an Grenzen stoßen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie unabhängig und wirksam nationale Aufsichtsstrukturen ausgestaltet sein müssen.

Die verschiedenen Forschungsfelder verbindet damit eine zentrale Frage: Wie kann das Recht mit einer Technologie Schritt halten, die sich schneller verändert als viele der bestehenden gesetzlichen Regelungen? Für Karsten Löw liegt gerade darin die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz des Rechts der Digitalisierung. Es geht um die rechtliche Kartierung eines Neulands, dessen Grenzen sich permanent verschieben.

Recht der Digitalisierung studieren

Wer sich für diese Fragen interessiert, kann sie an der Hochschule Schmalkalden auch zum Gegenstand des eigenen Studiums machen. Der Bachelorstudiengang Recht der Digitalisierung (LL.B.)“ verbindet juristische Grundlagen mit Wirtschaftsrecht, IT-Recht und technologischen Fragestellungen. Themen wie Datenschutz, Legal Tech, Technologieregulierung und Künstliche Intelligenz gehören ebenso zum Studium wie praxisorientierte Projekte und Fallstudien.

Die Hochschule Schmalkalden bietet darüber hinaus weitere Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Wirtschaftsrecht an, darunter Wirtschaftsrecht und International Business Law sowie den Masterstudiengang Wirtschaftsrecht.

Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester läuft  bis zum 15. September. Interessierte sollten sich daher zügig über die Studienangebote und Bewerbungsmöglichkeiten der Hochschule Schmalkalden informieren.

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